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Wie viele Bilder pro Sekunde können Ihre Augen wirklich 'sehen'?

Hardware6. Juni 20268 Min. Lesezeit

Als Kinder haben wir wahrscheinlich alle mal ein Daumenkino benutzt – ein Büchlein mit leicht veränderten Figuren in der Ecke, das man schnell durchblätterte, um sie zum Leben zu erwecken. Je schneller man blätterte, desto flüssiger die Bewegung; zu langsam, und man sah nur einzelne, getrennte Standbilder.

Ein Bildschirm macht im Grunde genau dasselbe: Wie oft er pro Sekunde das Bild 'umblättert', nennt man die Bildwiederholrate, gemessen in Hertz (Hz). 60 Hz bedeutet 60-mal pro Sekunde.

Hört sich einfach an, aber hinter der Frage 'Wie oft pro Sekunde?' verbergen sich einige faszinierende physiologische und physikalische Aspekte. Eine weit verbreitete Behauptung lautet: Das menschliche Auge kann nur 24 Einzelbilder pro Sekunde unterscheiden, deshalb genügt diese Rate für Filme – alles darüber wäre Verschwendung. Stimmt das?

Zuerst ein Mythos zerstört: Das Auge ist keine Kamera

Die Idee 'Das Auge sieht nur 24 fps' ist ein Missverständnis, das oft wiederholt wird. Ihr Ursprung ist pragmatisch: Als in den 1920er Jahren der Tonfilm aufkam, war 24 fps ein Kompromiss zwischen Filmkosten und Qualität der Tonsynchronisation. Nichts mit 'Grenze des Auges'.

Das menschliche Auge funktioniert nicht wie eine Kamera, die Einzelbilder schießt. Es ist eher wie ein kontinuierlich arbeitendes, lichtempfindliches Rohr. Licht trifft auf die Netzhaut, die Sinneszellen reagieren, Signale gelangen ins Gehirn – der Prozess dauert einige Millisekunden und 'setzt' nicht neu an: Das vorherige Bild ist noch nicht ganz verblasst, wenn das nächste schon darübergelegt wird. Dieses Phänomen nennt man Nachbild oder Trägheit des Auges, es dauert etwa 1/16 Sekunde.

Dank dieser Trägheit verwandeln sich diskrete Einzelbilder im Flip-Buch, im Film oder auf dem Bildschirm in unserer Wahrnehmung in flüssige Bewegung. Sobald man schnell genug blättert (etwa ab 15 fps), 'erfindet' das Gehirn einfach die fehlenden Zwischenschritte und erzeugt Bewegungsempfinden.

Aber 'als Bewegung erkennen' und 'Flüssigkeit unterscheiden können' sind zwei verschiedene Dinge. Studien zeigen, dass geschulte Personen Unterschiede weit über 60 Hz wahrnehmen, Kampfpiloten sogar Flugzeugtypen in 1/200 Sekunde Blitzeinblendungen erkennen. Hohe Bildwiederholraten sind also kein Hokuspokus – Ihr Auge spürt den Unterschied, nur nicht als 'einzelne Bilder', sondern als subtilere Empfindungen wie 'Butterweich', 'reaktionsschnell' oder 'kein Nachziehen'.

Zur Klärung: Warum ruckelt ein Spiel bei 24 fps, ein Film aber nicht?

Manche fragen: Wenn das Auge hohe Raten spürt, warum wirkt ein Film mit 24 fps flüssig, während ein Spiel mit 24 fps wie eine Diaschau ruckelt?

Die Antwort liegt in der 'Unschärfe'. Eine Filmkamera hat während der Belichtungszeit jedes Frames den Verschluss offen; bewegte Objekte hinterlassen einen natürlichen Bewegungsunschärfe-Strich auf dem Film. Diese Unschärfe füllt genau die Lücke zwischen den Frames aus – das Gehirn empfindet es als flüssig. Spiele hingegen rendern jeden Frame scharf und klar, die Bewegung dazwischen ist 'leer'. Bei nur 24 fps bleibt eine Reihe von Sprüngen – das wirkt ruckelig. Dieselben 24 fps betrügen beim Film also mit 'echter Unschärfe' das Auge, während beim Spiel die Diskontinuität offen zutage tritt. Deshalb sind Spiele viel empfindlicher gegenüber Bildwiederholraten und Frameraten als Filme.

Und warum fühlen sich 60 Hz dennoch in Ordnung an?

Warum fühlt sich die Welt nicht ruckelig an, obwohl wir jahrzehntelang 60-Hz-Bildschirme benutzt haben? Das liegt an der anderen Seite der Medaille – der Bewegungsunschärfe.

In der echten Welt bewegen sich Objekte fließend; Lichtsignale gelangen kontinuierlich in unser Auge. Der Bildschirm ist diskret: Zwischen den einzelnen Frames liegt eine winzige Lücke, in der das Objekt von einer Position zur nächsten 'springt'. Dieser Sprung erzeugt auf der Netzhaut einen kurzen, verschwommenen Streifen.

Je höher die Bildrate, desto kleiner der Sprung, desto kürzer die Unschärfe – und desto schärfer und klarer wirkt das Bild. Deshalb fühlt sich der Wechsel von 60 Hz auf 120 Hz 'irgendwie okay, nur eben angenehmer' an – dieses angenehme Gefühl kommt von der kürzeren Unschärfe und davon, dass das Auge weniger Anstrengung braucht, um die fehlenden Zwischenbilder zu 'erfinden'.

Ein anschauliches Beispiel: Ein weißer Punkt bewegt sich gleichmäßig über einen schwarzen Bildschirm. Bei 60 Hz springt er 60-mal pro Sekunde, jeder Sprung ist relativ lang und hinterlässt eine deutliche Spur. Bei 240 Hz springt er 240-mal pro Sekunde, jeder nur ein Stückchen – die Spur verschwindet fast, der Punkt wirkt 'massiv'. Genau das will der UFO-Test veranschaulichen.

Nebenbei: Der Begriff 'Bildwiederholung' hat historische Wurzeln. Frühe CRT-Bildschirme nutzten einen Elektronenstrahl, der Zeile für Zeile über die Leuchtschicht fuhr, um Pixel zu aktivieren. Das Leuchtmaterial erlosch schnell, also musste der Strahl ständig 'neu zeichnen', um das Bild zu halten – daher 'Refresh' (Wiederholung). Moderne LCD- und OLED-Panels verwenden keine Elektronenstrahlen mehr, aber der Name blieb, und die Logik 'wie oft pro Sekunde' besteht fort – nur dass heute der Zustand des gesamten Panels aktualisiert wird.

'Produktion' und 'Anzeige': Zwei Stationen eines Fließbands

Jetzt können wir den klassischen Unterschied zwischen Bildwiederholrate und Framerate besprechen. Viele verwechseln die beiden; tatsächlich sind es zwei aufeinanderfolgende Stationen eines Fließbands.

Die Framerate (FPS) ist die 'Produktionsstation' der Grafikkarte – wie viele Bilder sie pro Sekunde erzeugen kann. Die Bildwiederholrate (Hz) ist die 'Anzeigestation' des Monitors – wie viele Bilder er pro Sekunde darstellen kann. Eines produziert, das andere zeigt.

Im Idealfall passt Produktion und Anzeige perfekt zusammen. In der Realität laufen sie unabhängig voneinander, was zu zwei Problemen führen kann: Produziert die Grafikkarte schneller, als der Monitor anzeigen kann, werden Bilder verworfen oder halb angezeigt – das Bild 'zerreißt' (Tearing). Ist die Grafikkarte langsamer, hat der Monitor nichts Neues zu zeigen und wiederholt das letzte Bild – das Bild 'hakt' (Stottern).

Vertikale Synchronisation (VSync) erzwingt, dass die Grafikkarte auf den Monitor 'wartet' – ein produziertes Bild wird sofort angezeigt, Tearing verhindert, aber mit möglicher zusätzlicher Verzögerung. Später kamen G-Sync und FreeSync: Der Monitor passt seine Bildwiederholrate dynamisch an die Ausgabe der Grafikkarte an – produzierst du 80 Bilder, zeige ich 80 an. Das ist variable Bildwiederholrate (VRR) und heute ein Hauptverkaufsargument für High-End-Bildschirme.

Wie der Browser Ihre Bildwiederholrate 'misst'

Nach der Theorie zurück zur Praxis: Wie kann ein Webseiten-Test die Hz-Zahl Ihres Bildschirms herausfinden?

Dazu nutzt der Browser eine clevere Schnittstelle namens requestAnimationFrame. Sie ist dafür gedacht, Animationen mit der Bildschirmaktualisierung zu synchronisieren: Sie übergeben den Befehl 'Zeichne den nächsten Frame', und der Browser ruft Sie genau dann auf, kurz bevor der Bildschirm sein nächstes Bild zeigt. Mit anderen Worten: Diese Schnittstelle ist mit dem Synchronisationssignal des Monitors 'verdrahtet'.

Die Testlogik ist also einfach: Eine Stoppuhr starten und zählen, wie oft diese Schnittstelle pro Sekunde aufgerufen wird. 60 Aufrufe bedeuten 60 Hz, 144 Aufrufe bedeuten 144 Hz. Um gelegentliche Ruckel die Messung nicht verzerren, sammelt man typischerweise einige hundert Frames und berechnet den Durchschnitt, rundet dann auf gängige Stufen wie 60, 120, 144 oder 240 Hz.

Interessanterweise kann dieses 'Zählen' auch andere Probleme aufdecken. Fällt die Zahl plötzlich auf 30, liegt es wahrscheinlich nicht am Monitor, sondern daran, dass der Browser Sie beim Wechsel zu einem anderen Tab erkennt und die Wiederholrate zur Stromsparung drosselt. In Multi-Monitor-Setups passt sich der Browser manchmal an den Monitor mit der niedrigsten Rate an, sodass auch die Rate des schnellen Monitors fällt. Das sind 'Abfallprodukte' der Messung, die den Zustand der gesamten Anzeigekette offenbaren.

Zum Schluss: Das unsichtbare 'Flimmern'

Zum Schluss ein Aspekt hinter der Hz-Zahl, der oft übersehen wird: die Hintergrundbeleuchtung.

Sie denken vielleicht, der Bildschirm leuchtet gleichmäßig. Tatsächlich 'flimmern' viele Bildschirme mit hoher Geschwindigkeit an- und aus, je dunkler, desto länger die 'Aus'-Phase. Das nennt man Pulsweitenmodulation (PWM), besonders häufig bei OLED-Panels. Weil es so schnell flimmert (Hunderte bis Tausende Hz), bemerken Sie es bewusst nicht, aber der Sehnerv und der Ziliarkörper reagieren trotzdem auf die Hell-Dunkel-Wechsel.

Deshalb klagen manche Menschen über trockene oder müde Augen nach langem Blick auf dunkle OLED-Bildschirme, ohne den Grund zu kennen. Flimmertests mit schnellem Schwarz-Weiß-Wechsel machen dieses Phänomen sichtbar. Sie messen nicht die Bildwiederholrate selbst, sondern wie augenfreundlich das dahinterliegende Dimmsystem tatsächlich ist.

Wenn Sie also das nächste Mal '144 Hz' oder '240 Hz' lesen, sehen Sie es nicht nur als Marketing. Dahinter steht ein durchdachtes System aus Nachbild, Bewegungsunschärfe und dem Zusammenspiel von Produktions- und Anzeigetakt – und Sie können mit einem einfachen Webtest selbst überprüfen, ob dieses System auf Ihrem Bildschirm funktioniert.

Das ist vielleicht das Faszinierende an Wissen: Die kleinen Mechanismen hinter dem täglichen, flüssigen Erlebnis – sobald man sie versteht, sieht man die Welt ein Stückchen anders.